Glaubensbekenntnis ohne "Kirchensprech"

Mayen. Tobias Haberl sitzt an einem Tisch auf der Bühne des Arresthauses in Mayen und spricht darüber, dass er Christ ist – katholischer Christ. Er tut das so unaufgeregt, offen und zugewandt, gelegentlich mit feinem Humor, dass ihm das Publikum von der ersten Minute an aufmerksam folgt.
Die Zuhörerinnen und Zuhörer begleiten ihn in die katholisch geprägte Kindheit in einem bayerischen Dorf, in sein heutiges Leben als Katholik in einem weitgehend religionsfernen Umfeld in München und schließlich in jene Momente vor einem Gottesdienst, in denen ihn Zweifel überkommen. Dann stellt sich auch ihm die Frage, ob er mit seinem Glauben noch auf dem richtigen Weg ist.

Der 1975 geborene Autor und Redakteur des SZ-Magazins der Süddeutschen Zeitung war am Sonntagnachmittag, 5. Juli, im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Talk Kirche – Gott.Ich.Welt“ bei den Burgfestspielen Mayen exxtra zu Gast. Eingeladen hatten die Katholische Erwachsenenbildung Koblenz und der Pastorale Raum Mayen.

Aus seinem Bestseller „Unter Heiden. Warum ich trotzdem Christ bleibe“ las Tobias Haberl ausgewählte Passagen.
Durch den Nachmittag führte Julia Fröder, Redakteurin beim Bistum Trier. Mit ihren aufmerksamen Fragen brachte sie den erfahrenen Autor immer wieder dazu, über die vorbereiteten Texte hinaus sehr persönlich von seinem Leben und Glauben zu erzählen.

Dass sein Buch seit seinem Erscheinen im Jahr 2024 auf so großes Interesse stößt, überrascht Tobias Haberl nach eigener Aussage bis heute. Mehr als 150 Lesungen, Interviews, Fernseh-, Radio- sowie Podcastauftritte habe er inzwischen absolviert.
Dabei erzählt er weder von spektakulären Bekehrungserlebnissen noch beschäftigt er sich ausführlich mit den aktuellen Krisen und Skandalen der Kirche. Stattdessen berichtet er davon, welche Bedeutung der Glaube an Jesus Christus und das Vertrauen auf Gott für sein eigenes Leben haben. Er beschreibt, wie ihm Gebet und Gottesdienst Halt geben und wie sie ihm helfen, mit den Anforderungen und der Unruhe des modernen Alltags umzugehen.

Besonders macht diesen Nachmittag, dass Tobias Haberl konsequent bei seinen eigenen Erfahrungen bleibt. Mit großer sprachlicher Präzision findet er Worte für das, was ihn bewegt und – und erreicht damit auch Menschen, die Kirche und Glauben eher fernstehen. Er missioniert nicht, belehrt nicht und präsentiert keine einfachen Lösungen für die Krise der Kirche. Skeptisch blickt er allerdings auf die Vorstellung, eine Gesellschaft werde automatisch menschlicher, gerechter oder sinnerfüllter, wenn Religion und Kirche an Bedeutung verlieren.
Gerade darin liegt die Wirkung dieser Lesung: Wer Tobias Haberl zuhört, blickt unweigerlich auch auf das eigene Leben – auf persönliche Überzeugungen, Zweifel und die alte Frage nach dem, was dem Leben Sinn verleiht.

Das Publikum dankte dem Autor für seine Offenheit mit langanhaltendem Applaus. Anschließend nahm sich Tobias Haberl noch viel Zeit, Bücher zu signieren und mit Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch zu kommen.
Die Reihe „Talk Kirche – Gott.Ich.Welt“ im Arresthaus wird fortgesetzt. Der nächste Termin findet am 2. August statt. Zu Gast ist Verena Rendtorff mit ihrer Performance „Dennoch Zuver:sicht“ begleitet von Kirchenmusiker Markus Busch. Eine kostenlose Anmeldung über den Ticketservice der Burgfestspiele wird erbeten.
