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Erwachsenentaufe

In den letzten Newslettern hat Dr. Thomas Fößel an dieser Stelle des Öfteren über das Leben jedes Christen aus der Taufe geschrieben. Allerdings wächst die Anzahl der Menschen, die im Kindesalter nicht die Taufe und / oder im jugendlichen Alter nicht die Firmung empfangen haben. Pastor Thomas Corsten erzählt hier von seiner Erfahrung mit der Taufe einer Mutter und macht Mut, ggf. diesen Schritt zu wagen.
Erwachenentaufe in Wanderath
Datum:
28. Jan. 2026
Von:
Thomas Corsten

Wenn Erwachsene um die Taufe bitten

Im vergangenen Jahr hat eine junge Mutter im Pfarrbüro nicht nur nach einem Tauftermin für ihre Töchter gefragt, sondern darüber hinaus darum gebeten, auch selbst getauft und in die Kirche aufgenommen zu werden. Nach einem klärenden Vorgespräch habe ich mit ihr vereinbart, dass wir uns vor der Taufe mehrere Monate lang zum Taufunterricht treffen. Bei der Taufvorbereitung waren auch einige weitere Freunde/ Bekannte und Mitglieder ihrer Familie dabei. Themen der Taufvorbereitung waren: das persönliche Jesusbild, das Glaubensbekenntnis, der Gott der Bibel, Nachfolge, Beten und Eucharistie feiern und schließlich die Taufe und die Firmung. Am 9. November ist die junge Mutter dann von mir in Wanderath im Sonntagsgottesdienst der Gemeinde getauft und gefirmt worden, und sie ist auch das erste Mal zur Kommunion gegangen.

Wenn Erwachsene getauft und in die Kirche aufgenommen werden, dann empfangen sie die Sakramente der Taufe, der Firmung und der Eucharistie in dieser Reihenfolge und in einem einzigen Gottesdienst. Während zu Zeiten der Volkskirche die Kindertaufe „möglichst bald nach der Geburt“ (vgl. das Kath. Kirchenrecht, Can. 867 §1) vorherrschte, kommt es heutzutage häufiger vor, dass auch Erwachsene darum bitten, getauft zu werden. Grundlage für die Taufe von Erwachsenen ist eine wohlüberlegte, freie Willensentscheidung verbunden mit der Bereitschaft zu einer entsprechenden Vorbereitung.

Darauf hat bereits in der Antike Bischof Kyrill von Jerusalem († 386) den Fokus gelegt: „Nichts anderes verlangt Gott von uns als eine gute Entscheidung.“  Er betont die Einmaligkeit der Taufe und streicht heraus, wie Gott dem Taufbewerber auf dem Weg des Christwerdens begegnet: „[H]alten wir an der Hoffnung fest, geben wir uns der rechten Hoffnung hin, damit der Gott des Weltalls, wenn er unsere Entscheidung sieht, uns von Sünden reinigt, festes Vertrauen auf das, was geschieht, weckt und uns zur heilsbringenden Umkehrung führt. Gott hat gerufen, du wurdest gerufen.“

Eine gute, freie Willensentscheidung für die Taufe braucht als Grundlage eine ausführliche Vorbereitung auf die Taufe. Deshalb erklärt Bischof Kyrill dem Taufbewerber in Anlehnung an das, was der Apostel Paulus im ersten Korintherbrief (1 Kor 3,9-11) schreibt: „Denke dir, der Katechetische Unterricht ist ein Gebäude. Wenn wir nicht tief graben und einen Grund legen, wenn wir nicht planmäßig ein wohlgefügtes Gebäude errichtet haben, damit sich keine Risse zeigen und der Bau nicht Schaden leide, dann ist auch die anfängliche Mühe wertlos. Es muss sich planmäßig Stein an Stein fügen und Kante an Kante reihen, die rauen Teile müssen abgemeißelt werden. So entsteht ein perfekter Bau. In erwähnter Weise bringen wir dir sozusagen die Steine der Erkenntnis. Es ist nötig, dass du über den lebendigen Gott, über das Gericht, über Christus und die Auferstehung hörst. Viele Lehren sind es ... Wenn du nicht die Lehren zu einem Ganzen zusammenfügst und die früheren zugleich mit den späteren im Gedächtnis behältst, kann der Baumeister zwar bauen, aber dein Haus wird Risse haben.“

Mich als Seelsorger fasziniert diese Art der Vorbereitung auf die Taufe als religiöser Bildungsprozess. Im katechetischen Unterricht findet Glaubenskommunikation statt. Dem Taufbewerber werden – bildlich gesprochen – „Bausteine der Erkenntnis“ vorgelegt. Der Taufbewerber setzt sich damit auseinander und fügt sein „Glaubenshaus“, d.h. seine Glaubensüberzeugung zusammen. Und dennoch ist und bleibt das Gläubig-Werden mehr als das Werk eines Menschen. Vielmehr schenkt Gott den Glauben im Heiligen Geist.

Solch ein Weg braucht seine Zeit. Ich bin fest davon überzeugt, dass er nicht nur im Taufbewerber selbst Früchte hervorbringen wird, sondern darüber hinaus für unsere Gemeinden als Ganze fruchtbar sein wird.

Ihr Pfr. Thomas Corsten